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Früher hieß Work and Travel meistens ein Jahr nach der Schule, ein Flug nach Australien, Jobs auf Farmen oder in Bars vor Ort. Das gibt es bei Work and Travel immer noch, aber die meisten, die heute danach suchen, meinen etwas anderes damit. Sie haben bereits einen Job mit Laptop und wollen ihn einfach von einem anderen Ort aus erledigen. Lissabon statt Büro, Bali statt Heimatstadt, ein Zimmer mit gutem WLAN statt festem Schreibtisch im Unternehmen.
Der Grund dafür ist simpel. Immer mehr Firmen erlauben mittlerweile Homeoffice, manche sogar komplett ohne festen Standort für ihre Mitarbeiter. Wer freiberuflich arbeitet, hatte diese Freiheit ohnehin schon immer, nur fehlte oft die passende Infrastruktur dafür im Ausland. Genau das ändert sich gerade spürbar, auch im Umfeld von Work and Travel. Coworking Spaces gibt es inzwischen in fast jeder größeren Stadt weltweit, und einige Länder haben eigene Visa für Leute geschaffen, die remote arbeiten, statt vor Ort einen festen Job zu suchen.
Trotzdem ist Work and Travel kein einheitliches Konzept mit klaren Regeln. Der eine sucht ein paar Wochen Workation direkt am Meer, der andere will dauerhaft als digitaler Nomade durch verschiedene Länder ziehen, wieder andere nehmen einen befristeten Job im Ausland an, weil sie nebenbei die Sprache lernen wollen. Bevor du selbst loslegst, lohnt es sich also kurz zu überlegen, was du eigentlich erreichen willst. Geht es um Geld sparen, um eine Pause vom gewohnten Alltag, um Sprachpraxis oder einfach darum, mal an einem anderen Ort aufzuwachen.
Ein Punkt, den viele beim Thema Work and Travel und Arbeiten im Urlaub unterschätzen, ist die rechtliche Seite. In Deutschland und Österreich ist bezahlter Urlaub gesetzlich klar zur Erholung gedacht, nicht zum nebenbei Arbeiten. Wer in dieser Zeit gegen Geld einer Tätigkeit nachgeht, verstößt streng genommen gegen das Urlaubsrecht, und im Ernstfall kann der Arbeitgeber das auch durchsetzen, bis hin zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses.
Das gilt allerdings nur, wenn ein klassisches Arbeitsverhältnis mit eingereichtem Urlaub besteht. Anders sieht es aus, wenn du als Freelancer unterwegs bist oder remote für deinen Arbeitgeber tätig bleibst, also gar keinen Urlaub nimmst, sondern einfach von einem anderen Ort aus weiterarbeitest. Dann geht es weniger um Urlaubsrecht und mehr um Fragen wie Steuerpflicht, Sozialversicherung und wie lange du dich überhaupt ohne Visum in einem Land aufhalten darfst.
Viele Länder haben diesen Trend rund um Work and Travel mittlerweile erkannt und bieten eigene Digital Nomad Visa an, mit denen du legal von dort aus arbeiten kannst. Estland, Kroatien und Portugal sind bekannte Beispiele dafür, aber die genauen Bedingungen unterscheiden sich teils stark, von Mindesteinkommen bis zur maximalen Aufenthaltsdauer im jeweiligen Land.
Was viele zusätzlich vergessen: Schon kleine Dinge wie kurz Mails checken oder telefonisch erreichbar sein im Urlaub können rechtlich heikel werden, wenn der Chef das nicht ausdrücklich erlaubt hat. Eine klare Absprache vorher erspart hier Ärger. Wer länger im Ausland bleiben möchte, sollte sich außerdem frühzeitig mit Doppelbesteuerung und einer passenden Auslandskrankenversicherung beschäftigen.
Von überall aus arbeiten zu können klingt erstmal nach dem perfekten Leben für viele, die sich für Work and Travel interessieren. Neue Orte entdecken, interessante Leute kennenlernen und nebenbei den Job erledigen. Das ist die naheliegende Vorstellung von digitalem Nomadentum. Und manchmal ist es tatsächlich genau das. Ein anderer Ort kann den Kopf freimachen, und nach Monaten im selben Büro fühlt sich selbst ein einfaches Café in einer fremden Stadt wie eine echte Abwechslung an.
Aber es gibt auch eine andere Seite dieses Lebensstils, über die seltener gesprochen wird. Das Internet ist nicht überall gleich zuverlässig, und wer mit Kollegen in einer ganz anderen Zeitzone zusammenarbeitet, muss Meetings manchmal mitten in der Nacht einplanen. Die größte Schwierigkeit ist aber meistens etwas anderes, nämlich dass ohne festes Büro schnell die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit verschwimmt. Man checkt Mails am Strand, beantwortet Nachrichten beim Abendessen, und irgendwann merkt man, dass man eigentlich nie wirklich frei hatte in den letzten Wochen.
Auch Einsamkeit ist ein Thema, über das kaum jemand spricht, bevor er selbst betroffen ist. Im Büro ergeben sich Gespräche von allein, unterwegs muss man sich aktiv um Anschluss bemühen, etwa über Coworking Spaces oder Communities für Leute, die Work and Travel ernsthaft betreiben. Wer das nicht macht, fühlt sich nach ein paar Wochen oft isolierter, als er anfangs erwartet hätte.
Und dann ist da noch das Geld. Manche Städte sind günstiger als die Heimat, andere überraschend teuer, vor allem wenn Unterkunft kurzfristig gebucht wird.
Am Anfang steht eine ehrliche Frage, die viele zu spät stellen: Lässt dein Job Remote-Arbeit überhaupt zu? Manche Berufe, etwa in IT oder Design, eignen sich von Haus aus gut für Work and Travel und ortsunabhängiges Arbeiten. Bei anderen Jobs braucht es vielleicht erst ein Gespräch mit dem Chef, ob ein paar Wochen im Ausland möglich wären, oder einen Wechsel zu einer Stelle, die Remote Work von vornherein erlaubt.
Technisch reicht oft weniger, als man zunächst denkt. Ein Laptop, mobiles Internet als Backup falls das WLAN vor Ort schwächelt, und die Programme, die du auch zuhause für die Arbeit brauchst, reichen meistens völlig aus. Wichtiger ist meistens eine feste Routine. Geregelte Arbeitszeiten, auch wenn draußen die Sonne scheint, helfen langfristig mehr als jede Produktivitäts-App auf dem Handy.
Bei der Wahl des Reiseziels lohnt sich ein Blick über die schöne Aussicht hinaus. Wie ist die Internetverbindung wirklich vor Ort, nicht nur laut Werbung auf der Buchungsseite? Wie groß ist der Zeitunterschied zu Kollegen oder Kunden zuhause? Was kostet eine Wohnung für ein paar Wochen, und gibt es einen ruhigen Ort zum Arbeiten?
Bevor es losgeht, lohnt sich außerdem ein Blick auf Versicherung und Steuern. Eine Auslandskrankenversicherung ist meistens günstiger, als man denkt, und sie erspart im Ernstfall enormen Stress unterwegs. Genauso wichtig ist es zu wissen, ob und wo du Steuern zahlen musst, wenn du monatelang nicht zuhause bist und im Ausland arbeitest, gerade bei längeren Work and Travel Aufenthalten.